"Schön, dass du geboren bist" - was dein Neugeborenes von 0-3 Monaten wirklich braucht
“Zeit ist das schönste Geschenk“
...Seit du da bist, ist alles neu. Unsere gewohnte Welt steht Kopf. Wir sind so dankbar, dass du geboren bist und wir fragen uns: Wie können wir dir all das geben, was du brauchst? Wie können wir gut lernen zu erkennen, was du brauchst? Wie können wir dich in deiner neuen Umgebung am besten unterstützen? So viele Fragen. So unbeschreibliche Eindrücke.“
Dein Neugeborenes in den ersten drei Lebensmonaten
Vor der Geburt hattest du Zeit, dich auf dein Baby vorzubereiten. Du hast dich mit Dingen wie Erstlingsausstattung beschäftigt, einen Kinderwagen, eine Babytrage, vielleicht eine Babyschale für das Auto, eine Wiege oder Wickelkommode für dein Baby besorgt. Außerdem genügend Windeln, Bodys und Strampler. Du hast alle Erstausstattungs-Checklisten abgehakt. Dein kleines Wunder hat ganz viele Geschenke bekommen, darunter auch Spielsachen, denn die Freude aller ist groß.
Und nun freue ich mich, dir den wichtigsten Rat überhaupt geben zu dürfen:
In den ersten drei Lebensmonaten braucht dein Baby keine Spielsachen.
Was es braucht, ist Wärme, Geborgenheit und Zeit.
Zeit, um auf der Erde anzukommen.
Einander kennenlernen. Gebt euch als Familie einfach Zeit.
Die Sinne deines neugeborenen Babys und wie du die Sinnesentwicklung unterstützen kannst
Am besten entwickelt - der Tastsinn:
Hast du gewusst, dass dein Baby bereits vor der Geburt einen gut entwickelten Tastsinn hat? Schon im Mutterleib reagiert ein Baby auf Berührungen, Druck und Bewegung. Direkt nach der Geburt ist die Haut sehr empfindlich, besonders an Mund, Händen, Füßen und im Gesicht, sie ist in den ersten Monaten deines Babys das wichtigste, weil am besten entwickelte Sinnesorgan. Durch Streicheln, Kuscheln und Hautkontakt erlebt dein Baby Geborgenheit und Nähe. Berührungen fördern nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die körperliche und emotionale Entwicklung.
Wir könnten also sagen: Berührung ist das wichtigste Kommunikationsmittel deines Babys in den ersten Lebensmonaten. Über die Haut „versteht“ es seine Welt – noch bevor es sprechen, sehen oder bewusst reagieren kann.
Warum ist Berührung und Hautkontakt für dein Baby so wichtig?
Sicherheit, Geborgenheit und emotionale Bindung
Wenn du dein Baby berührst, streichelst oder an dich drückst, spürt es:
Ich bin nicht allein. Ich bin geschützt.
Das erinnert es an die vertraute Enge im Mutterleib und wirkt stark beruhigend. Durch Hautkontakt wird das sogenannte Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet – bei dir und bei deinem Baby. Dieses Hormon stärkt die Beziehung und sorgt für Vertrauen und Nähe. Regelmäßiges Kuscheln hilft deinem Baby, eine sichere Bindung aufzubauen.
Beruhigung und Stressabbau
Studien zeigen, dass sanfte Berührungen den Herzschlag regulieren, die Atmung beruhigen, sowie das Stresshormon Cortisol senken. Du hast es sicherlich schon bemerkt, dass sich dein Babys schnell beruhigt, wenn du es auf den Arm genommen hast und es deine Nähe spürt.
Förderung der Entwicklung
Über Berührung lernt dein Baby seinen eigenen Körper kennen, was eine wichtige Grundlage für die spätere motorische Entwicklung darstellt. Es geht um Körpergefühl, Muskelspannung und die Wahrnehmung von Grenzen - all das gehört zur Körperwahrnehmung.
Übrigens: Babys „lesen“ Berührungen sehr genau. Sie spüren, ob du ruhig oder angespannt bist, deine Berührung liebevoll oder hektisch ist, du aufmerksam oder abgelenkt bist. Also vergiss nicht, was deine sanfte, bewusste Berührung vermittelt: Du bist wichtig. Ich bin für dich da.
Besonders wertvoll für dein Neugeborenes: Haut-zu-Haut-Kontakt
Direkter Hautkontakt (z. B. nach der Geburt oder beim Kuscheln auf nackter Haut) hat besondere Vorteile, nämlich:
- stabilisiert Hautkontakt die Körpertemperatur,
- fördert das Stillen,
- stärkt das Immunsystem und
- vertieft die Bindung.
Sensibel mit der Sinnesentwicklung deines Babys umgehen
Der Geruchs- und Geschmackssinn ist ebenfalls von Geburt an gut ausgeprägt. Babys erkennen den Geruch ihrer Mutter und fühlen sich dadurch sicher. Süße Geschmäcker werden bevorzugt, weshalb Muttermilch meist besonders gut angenommen wird.
Direkt nach der Geburt ist das Sehvermögen noch nicht voll entwickelt. Babys können in den ersten Wochen vor allem Kontraste und Gesichter aus etwa 20–30 Zentimetern Entfernung erkennen – also genau der Abstand zum Gesicht der Eltern beim Stillen oder Füttern. Mit jedem Monat wird das Sehen klarer, und Farben sowie Bewegungen werden zunehmend interessant. Überfordere daher dein Kind in den ersten Lebenswochen nicht mit zu vielen Reizen.
Das Hören ist zwar schon gut ausgeprägt, wird aber noch feiner und differenzierter. Schon im Mutterleib hat dein Baby Geräusche wahrgenommen. Nach der Geburt erkennt es besonders gut vertraute Stimmen, vor allem die von Mama und Papa. Ruhige Gespräche, sanfte Musik oder Schlaflieder wirken beruhigend und fördern die emotionale Bindung.
Die Hände deines Babys in den ersten drei Monaten und seine Reflexe
Schon bei der Geburt verfügen Babys über sogenannte frühkindliche Reflexe, die ihnen beim Start ins Leben helfen. Jeder von uns kennt den absolut herzerwärmenden Greifreflex von Babys: Berührt man die Handfläche eines Neugeborenen, schließt es automatisch die Finger und hält erstaunlich fest zu.
In den ersten Wochen bewegen Babys ihre Hände noch unkoordiniert und meist reflexartig. Sie führen sie häufig zum Gesicht oder Mund, um sich selbst zu beruhigen. Wenn das Baby so circa 3 Monate alt ist, beginnt es damit seine Hände bewusst wahrzunehmen. Mit seinen Blicken beginnt es allmählich der Bewegung seiner Arme und Hände zu folgen. Es macht deinem Baby große Freude diese wunderbaren Werkzeuge zu beobachten, zu erleben, wie sich die Faust öffnet und wieder schließt und es erfährt das Berühren oder Bewegen einzelner Finger – all das sind unglaublich aufregende und erfüllende Momente in den ersten drei Lebensmonaten.
„Gib ihm Zeit, seine Hände und damit sich selbst zu entdecken.“
Das Baby greift in diesem Alter immer noch reflexartig. Es umklammert schnell etwas, das du ihm in die Hand legst. Was es in diesem Alter aber noch nicht kann, ist loslassen.
Apropos Loslassen: Was dein Baby in den ersten drei Lebensmonaten wirklich braucht
Löse dich von dem Druck, dass du dein Baby immerzu fördern musst, von Geburt an. Genieße es, dein Baby zu beobachten, und bewahre es vor zu vielen Sinneseindrücken. Dein Kind braucht jetzt Zeit, sich an die neuen Geräusche, Stimmen und Farben in seinem Umfeld zu gewöhnen. Es braucht dich, deine Wärme und deine Zeit.
Denken wir gemeinsam an den ersten Satz dieses Beitrags: “Zeit ist das schönste Geschenk“.
Und wenn du doch mal nicht ganz nah bei deinem Baby sein kannst. Vielleicht magst du deinem Baby etwas Weiches, Leichtes an seine Seite legen. Ein Tüchlein, ein Püppchen aus natürlichen, warmen Materialien oder einen weichen Kuschelfreund.
