Ein Zuhause ist mehr als vier Wände: Warum Chancengleichheit mit einem sicheren Ort beginnt
Für alle, die es schnell wissen wollen, worum es uns geht... wusstest du?
- Kinder entwickeln sich dort gut, wo sie sich sicher, gesehen und wertgeschätzt fühlen. Ein stabiles Zuhause ist die Grundlage dafür.
- In Österreich waren 2025 rund 411.000 Kinder und Jugendliche armuts- oder ausgrenzungsgefährdet.
- Frauen sind von Wohnungslosigkeit oft verdeckt betroffen. Sie bleiben in Gewaltbeziehungen oder wechseln von Sofa zu Sofa, um nicht auf der Straße zu landen.
- neunerhaus in Wien begleitet Menschen zurück in ein eigenes Zuhause. Über 90 % von ihnen wohnen auch nach Jahren noch dort.
- Ich bin dankbar, dass wir in der Adventzeit Spenden für neunerhaus - gemeinsam mit eurer Unterstützung - sammeln können.
Was wir bei KOKOMOO seit über 10 Jahren sehen
Seit über zehn Jahren begleiten wir bei KOKOMOO Menschen, die mit Kindern leben: Mütter, Väter, Großeltern, Pädagog:innen. Meine Vision: sie ist einfach und groß zugleich. Kinder sollen in einem wertschätzenden Umfeld aufwachsen.
Dazu gehören für mich - neben einer wertschätzenden Haltung - ein passender Raum und Spielmaterialien, die dem Kind sein ganz eigenes Spiel ermöglichen. Im freien Spiel erleben Kinder Selbstwirksamkeit. Sie lernen sich und Erfahrenes auszudrücken, Entscheidungen zu treffen, Konflikte auszuhandeln und Verantwortung zu übernehmen. Das sind Grundlagen, damit sie zu selbstständigen, demokratiefähigen Erwachsenen heranwachsen.
Doch freies Spiel braucht eine Voraussetzung, die wir in der Pädagogik gerne als gegeben annehmen: Sicherheit. Ein Kind, das nicht weiß, wo es morgen schläft, kann sich nicht in ein Spiel vertiefen. Ein Kind, das in einem Zuhause voller Spannung aufwächst, ist im Alarmmodus. Neugier und Entfaltung brauchen Ruhe.
Chancengleichheit oder Ungerechtigkeit? Ein Blick auf die Zahlen
Gleiche Chancen bedeuten nicht, dass alle gleich sind. Sie bedeuten, dass der Start ins Leben nicht darüber entscheidet, wohin der Weg führt. Davon sind wir weit entfernt. Hier möchte ich nur ein paar Beispiele geben, diese Negativ-Liste könnte leider länger sein:
- In Österreich wird Bildung stark „vererbt”: Kinder von Eltern mit niedriger Ausbildung leben häufiger in schwierigen finanziellen Verhältnissen und haben schlechtere Chancen auf höhere Bildung.
- Die Forschung zu frühen Belastungen stützt das. Die bekannte ACE-Studie (Adverse Childhood Experiences) zeigt, dass belastende Kindheitserfahrungen das Risiko für gesundheitliche und soziale Probleme im Erwachsenenalter erhöhen.
- Auch der Ökonom und Nobelpreisträger James Heckman hat mit seiner Forschungsarbeit aufgezeigt, dass Investitionen in die frühe Kindheit besonders hohe gesellschaftliche Erträge bringen.
Ungerechtigkeit beginnt demnach bei Kindern, die sich ihre Startbedingungen nicht aussuchen konnten. Kinder werden erwachsen, und dann sollten sie sich im Leben allein zurechtfinden. Armut, Krieg und Gewalt machen das oft unnötig schwer.
Wohnungslosigkeit hat ein weibliches Gesicht, das man oft nicht sieht
Hier setzt neunerhaus an. Die Wiener Sozialorganisation unterstützt obdach- und wohnungslose sowie armutsbetroffene Menschen mit Wohnen, Gesundheitsversorgung und Begleitung.
2024 waren in Österreich 21.073 Menschen als obdach- oder wohnungslos registriert, ein Plus von 2,8 % gegenüber dem Vorjahr. Rund ein Drittel davon sind Frauen. In Wien sind es offiziell 3.721. Die Dunkelziffer ist laut neunerhaus weitaus höher. Wer sich hier noch vertiefend informieren möchte: ich kann euch neunerhaus in Zahlen empfehlen.
Warum sieht man die Situationen der Frauen so selten? Weil sie versuchen, den Anschein von Normalität zu wahren: vor der Familie, den Freund:innen, dem Kindergarten und der Schule. Sie kommen bei Bekannten unter, bleiben bei Partnern oder leben in überbelegten Wohnungen. Die Straße ist die letzte Option. Wenn Kinder im Spiel sind, kommt die Angst dazu, dass ihnen die Kinder weggenommen werden könnten. Der rote Faden ist laut neunerhaus, dass strukturelle Benachteiligungen von Frauen Trennungen zu existenziellen Krisen machen oder Frauen lange Gewalt aushalten lassen, um nicht obdachlos zu werden.
Was ein sicheres Zuhause wirklich bedeutet
Ein Zuhause ist ein Rückzugsort. Hier darf man die Alarmbereitschaft herunterfahren. Wer ein Leben lang im Überlebensmodus war, braucht genau das.
Das beschreibt Doris K., ausgebildete Lebens- und Sozialberaterin, aus dem neunerhaus Billrothstraße, einem Chancenhaus für junge Erwachsene zwischen 18 und 30. Der fünfte Stock ist ein Bereich nur für Frauen, ein geschützter Ort für junge Frauen, der im niederschwelligen Bereich lange gefehlt hat. Es gibt einen offenen Frauentreff mit psychologischer Begleitung und kostenlose Hygieneartikel. Doris K. betont: „Ein ungesundes Umfeld zu verlassen erfordert enormen Mut.” Im neunerhaus Blogartikel "Junge Menschen im Überlebensmodus" wird eindrücklich geschildert, was es braucht, damit junge Frauen sich wieder sicher fühlen lernen und vertrauen.

Auch Layla S. sagt es klar. Sie floh mit ihrer Tochter vor dem Krieg und lebte jahrelang in einer Flüchtlingsunterkunft. Konflikte dort belasteten auch ihre Tochter. Ihr Fazit: „Keine Wohnung, keine Gesundheit.” Im März 2026 schloss sie die Ausbildung zur Peer der Wohnungslosenhilfe ab und bezog ihre erste eigene Wohnung. Ich wünsche ihr und ihrer Tochter nur das Beste!
Was sich hier zeigt, kennen wir aus der Pädagogik. Kinder brauchen verlässliche Erwachsene, und diese brauchen einen sicheren Ort, um verlässlich sein zu können. Ein sicheres Zuhause wirkt deshalb über Generationen.
Wie neunerhaus wirkt: Housing First und mehr
neunerhaus hat 2012 gemeinsam mit dem Fonds Soziales Wien das Konzept Housing First nach Wien gebracht. Menschen bekommen zuerst eine eigene Wohnung mit eigenem Mietvertrag und, wenn nötig, Begleitung durch Sozialarbeit. Die Wohnung ist der Anfang der Hilfe, nicht ihr Ziel am Ende.
Das funktioniert. Laut neunerhaus leben nach drei Jahren noch 93 % der Mieter:innen in ihrer Wohnung. 365 Frauen werden aktuell von Housing First und Mobil betreutem Wohnen begleitet. Das ist nahezu die Hälfte aller Betreuten.
Dazu kommen:
- das Gesundheitszentrum für Menschen ohne Versicherung oder Zugang zum Gesundheitssystem,
- neunerhaus Café als Ort für Essen, Austausch und Beratung,
- der Peer Campus, an dem ehemals wohnungslose Menschen zu Peers der Wohnungslosenhilfe ausgebildet werden,
-
neunerimmo, das leistbaren Wohnraum beschafft.
![]() |
![]() |
neunerhaus trägt seit 2004 das Österreichische Spendengütesiegel. Für Vorhaben, die nicht öffentlich finanziert sind, ist es auf Spenden angewiesen.
Unser KOKOMOO Advent-Pop-Up für das neunerhaus
Wie eingangs kurz erwähnt, unterstütze ich neunerhaus seit Jahren privat, weil es mir am Herzen liegt. Gemeinsam mit euch kann daraus etwas Größeres entstehen. Bei unserem Advent Pop-Up im Showroom in Baden (ab 20. November) steht eine neunerhaus-Spendenbox bereit. Alles, was zusammenkommt, geht ohne Zweckwidmung ans neunerhaus. So kann es dort eingesetzt werden, wo es gerade am dringendsten gebraucht wird.
Mehr Infos zum Advent Pop-Up bei Kokomoo!
Du kannst natürlich auch direkt über die neunerhaus-Website spenden, sofern du es nicht zu uns in den Advent Pop-Up schaffst. Jede Hilfe ist willkommen, jeder kleine Beiträg zählt: Spenden beim neunerhaus.
Jeder Betrag hilft: 10 Euro sind wertvoll, 40 Euro versorgen Menschen mit akuten Schmerzen mit Medikamenten, 90 Euro sichern die Wundversorgung mit Verbandsmaterial und Spüllösungen, und mit 120 Euro unterstützt du jemanden beim Einzug in ein neues Zuhause mit Bettwäsche, Geschirr und Hygieneartikeln. Jeder Betrag macht Sinn.
Und es muss nicht Geld sein. Du kannst im neunerhaus auch Sachspenden abgeben oder ehrenamtlich arbeiten. Oder selbst eine Spendenaktion starten. Oder ins Kabarett gehen.
Alle Infos findest du unter neunerhaus.at/spenden-und-helfen.
Chancengleichheit entsteht nicht von selbst. Sie entsteht dort, wo Kinder und ihre Bezugspersonen einen sicheren Ort haben, einen Raum zum Aufatmen und Menschen, die an sie glauben. Das neunerhaus schafft solche Orte jeden Tag. Wir bei KOKOMOO sind überzeugt, dass jedes Kind ein Zuhause verdient, in dem es spielen, wachsen und sich entfalten kann.
Danke, dass du mit uns hinschaust und vielleicht mithilfst.


